Es sieht aus wie ein Stück gefrorener Rauch, wiegt fast nichts und hat trotzdem schon Kometenstaub aus 4,6 Milliarden Kilometern Entfernung eingefangen. Aerogel gehört zu den seltsamsten Materialien, die Menschen je hergestellt haben – und seit ein paar Jahren kann man es einfach in einem Glas auf den Schreibtisch stellen. Hier sind zwölf Fakten, die zeigen, warum dieses Material Physiklehrer, Ingenieurinnen und Sammler gleichermaßen fasziniert. Und danach fünf Dinge, die du mit deinen eigenen Aerogel Bruchstücken selbst ausprobieren kannst.
Was sind Aerogel Bruchstücke überhaupt?
Aerogel entsteht, wenn man aus einem Gel die gesamte Flüssigkeit entfernt – aber so vorsichtig, dass das feste Gerüst dabei nicht in sich zusammenfällt. Übrig bleibt ein Netzwerk aus winzigen Siliziumdioxid-Kügelchen, zwischen denen fast nur noch Luft ist. Chemisch ist Silica-Aerogel also nichts anderes als Glas. Nur eben rund tausendmal weniger dicht.
Bruchstücke sind dabei die eindrucksvollste Form: unregelmäßige, transluzente Stücke, an denen man die Bruchkanten sieht, das bläuliche Schimmern und die typische Rauchoptik. Wer die Struktur lieber als Schüttgut oder Pulver untersuchen möchte, findet in unserer Übersicht der Aerogel-Arten die Unterschiede im Detail.
12 Fakten über den leichtesten Feststoff der Welt
1. Es entstand aus einer Wette
1931 wettete der US-Chemiker Samuel Stephens Kistler mit seinem Kollegen Charles Learned, dass man die Flüssigkeit in einem Gel durch Gas ersetzen kann, ohne dass das Gel schrumpft. Kistler gewann – und veröffentlichte sein Ergebnis am 16. Mai 1931 in Nature. Der Wetteinsatz ist nicht überliefert.
2. Bis zu 99,8 % des Materials sind schlicht nichts
Ein typisches Silica-Aerogel besteht zu 96 bis 99,8 Prozent aus Luft. Der Rest – das eigentliche Feststoffgerüst – wiegt so wenig, dass ein Bruchstück von der Größe eines Zuckerwürfels auf einer Küchenwaage kaum eine Anzeige erzeugt.
3. Das leichteste Aerogel ist leichter als Luft
Die NASA hielt lange den Rekord mit einem Silica-Aerogel von 3 Milligramm pro Kubikzentimeter. 2013 stellte ein Team der Zhejiang-Universität in China ein Graphen-Aerogel mit 0,16 mg/cm³ her – das ist weniger als die Dichte von Luft selbst (rund 1,2 mg/cm³). Silica-Aerogele haben es zeitweise auf 15 gleichzeitige Guinness-Weltrekorde gebracht.
4. Ein einziges Gramm hat die Oberfläche von drei Tennisplätzen
Weil das Material aus Milliarden nanometergroßer Poren besteht, kommt ein Gramm Silica-Aerogel auf rund 700 Quadratmeter innere Oberfläche – ungefähr die Fläche von drei Tennisplätzen, gefaltet in etwas, das auf einen Teelöffel passt. Genau diese Porenstruktur macht Aerogel auch für Katalyse und Filtertechnik interessant.
5. Es dämmt besser als alles, was du im Baumarkt bekommst
Die Poren sind kleiner als die freie Weglänge der Luftmoleküle – Wärme kommt schlicht nicht durch. Eine 2,5 Zentimeter dicke Aerogel-Platte dämmt etwa so gut wie 15 hintereinandergestellte Fensterscheiben oder rund 7,5 Zentimeter Styropor.
6. Ein Bruchstück hält eine Lötlampe aus
Silica-Aerogel schmilzt erst bei etwa 1.200 °C. In klassischen Laborvorführungen liegt eine Blume oder ein Stück Schokolade auf einer dünnen Aerogel-Platte, während von unten eine Flamme dagegenhält – und nichts passiert. Bitte nicht zu Hause nachstellen: Bruchstücke sind dafür zu klein und zu zerbrechlich.
7. Es leuchtet blau und wirft einen gelben Schatten
Vor dunklem Hintergrund schimmert Aerogel rauchig blau, vor hellem Hintergrund wirkt es gelblich – und sein Schatten hat einen warmen Gelbstich. Dahinter steckt Rayleigh-Streuung, also exakt dieselbe Physik, die den Himmel blau und den Sonnenuntergang rot macht. Warum das optisch so gut funktioniert, haben wir hier ausführlicher beschrieben.
8. Es ist gleichzeitig extrem tragfähig und extrem zerbrechlich
Aerogel kann ein Vielfaches seines Eigengewichts tragen – berühmt sind die Fotos, auf denen ein paar Gramm Aerogel einen ganzen Ziegelstein stützen. Punktueller oder ungleichmäßiger Druck bringt es dagegen sofort zum Bröseln. Zwischen zwei Fingern zerdrückt man es problemlos.
9. Es hat Kometenstaub eingefangen
Die NASA-Sonde Stardust startete 1999 mit einem tennisschlägerförmigen Kollektor aus Aerogel. Am 2. Januar 2004 flog sie durch die Staubwolke des Kometen Wild 2. Die Partikel schlugen mit rund 6 Kilometern pro Sekunde ein und wurden im Aerogel auf etwa dem Hundertfachen ihres eigenen Durchmessers abgebremst – sanft genug, um sie unversehrt zu konservieren. Am 15. Januar 2006 landete die Kapsel mit über 10.000 Partikeln in der Wüste von Utah.
10. In diesem Staub steckte ein Baustein des Lebens
2009 wies ein NASA-Team im Stardust-Material Glycin nach – die einfachste Aminosäure. Es war der erste Nachweis eines Lebensbausteins in einer Kometenprobe. Ohne Aerogel als Fangnetz gäbe es diesen Befund nicht.
11. Aerogel könnte den Mars bewohnbar machen
Eine 2019 in Nature Astronomy veröffentlichte Studie zeigte: Eine nur 2 bis 3 Zentimeter dünne Schicht Silica-Aerogel über der Marsoberfläche lässt Sonnenlicht durch, hält die Wärme fest und blockiert gleichzeitig schädliche UV-Strahlung. Im Modell reichte das für eine Erwärmung um bis zu 65 °C – genug, um darunter dauerhaft flüssiges Wasser zu halten. Auf den Mars-Rovern der NASA fliegt Aerogel schon lange als Isolierung mit.
12. Fast wäre es in Zahnpasta gelandet
In den 1940er Jahren vermarktete Monsanto Kistlers Erfindung als „Santocel” – als Verdickungsmittel für Farben, Kosmetik und Silikonkautschuk. Als Hightech-Material war es damals niemandem aufgefallen. Um 1970 wurde die Produktlinie eingestellt. Erst französische Forscher entwickelten in den 1980ern günstigere Herstellungsverfahren – und machten Aerogel zu dem, was es heute ist.
5 Experimente mit deinen Aerogel Bruchstücken
Das Schöne an Bruchstücken: Man muss sie nicht nur anschauen. Diese fünf Versuche funktionieren mit Haushaltsmitteln und beschädigen das Material nicht.
- Der Gewichtstest. Leg ein Bruchstück auf eine Feinwaage und danach auf deine Handfläche. Die meisten Menschen spüren buchstäblich nichts – das Gehirn erwartet bei diesem Volumen ein Gewicht, das nicht kommt.
- Der Schattenversuch. Halte das Stück mit einer Taschenlampe erst vor einen dunklen, dann vor einen hellen Hintergrund. Blau, dann gelblich – und der Schatten auf einem weißen Blatt Papier hat einen deutlichen Gelbstich.
- Der Wassertropfen. Auf hydrophobem Aerogel perlt ein Wassertropfen ab wie auf einer Lotusblüte und rollt sichtbar über die Oberfläche. Hydrophiles Aerogel saugt sich dagegen voll und zerfällt dabei – dieser Versuch ist eine Einbahnstraße.
- Der Wärmetest. Leg ein flaches Bruchstück auf einen frisch aus heißem Wasser genommenen Metalllöffel und tippe vorsichtig oben drauf. Der Unterschied zum direkten Kontakt mit dem Löffel ist verblüffend deutlich.
- Der Lupenblick. Unter einer Lupe oder einem einfachen Mikroskop siehst du muschelartige Bruchkanten wie bei Glas – und verstehst sofort, warum das Material an gefrorenen Rauch erinnert.
Wichtig zur Sicherheit: Aerogel ist nicht giftig, der feine Staub kann Augen, Haut und Atemwege aber reizen. Arbeite auf einer glatten Unterlage, trage Handschuhe und Schutzbrille, atme keinen Staub ein und halte das Material von Kindern fern. Alle Details dazu findest du in unserem Beitrag Aerogel sicher handhaben.
Bruchstücke, Granulat oder Set – was passt zu dir?
| Produkt | Menge | Am besten geeignet für |
|---|---|---|
| Silica Aerogel Bruchstücke | 30 ml Glas | Der Klassiker zum Anschauen und Weitergeben. Die schönste Optik, ideal als Geschenk und als Anschauungsmaterial im Unterricht. |
| Hydrophobe Aerogel Bruchstücke | 120 ml Glas | Große Stücke, wasserabweisend. Für alle, die den Wassertropfen-Versuch machen und länger etwas davon haben wollen. |
| Aerogel Granulat | 30 ml Glas | Der günstige Einstieg und die praktische Form für Dämm- und Schüttversuche. |
| Silica Aerogel Set | Bruchstücke 60 ml + Granulat 30 ml + Pulver 30 ml | Alle drei Formen im Vergleich – die beste Wahl für Schule, Uni und alle, die das Material wirklich verstehen wollen. |
Eine Übersicht über das gesamte Sortiment findest du in der Kategorie Pures Aerogel kaufen.
Häufige Fragen zu Aerogel Bruchstücken
Ist Aerogel gefährlich oder giftig?
Silica-Aerogel ist chemisch inert und nicht giftig – es ist im Kern dasselbe Material wie Glas. Der feine Staub kann Augen, Haut und Atemwege reizen, deshalb sind Handschuhe, Schutzbrille und ein staubarmer Umgang sinnvoll. Verzehren darf man es nicht, und in Kinderhände gehört es nicht.
Kann man Aerogel anfassen?
Ja, mit Handschuhen und Fingerspitzengefühl. Aerogel trägt zwar ein Vielfaches seines Eigengewichts, bricht unter punktuellem Druck aber sofort. Außerdem wirkt es hygroskopisch und trocknet die Haut aus, wenn man es länger ohne Handschuhe hält.
Wie lange hält Aerogel?
Praktisch unbegrenzt, solange es trocken und geschützt lagert. Bewahre es im verschlossenen Glas auf, vermeide direkte Sonneneinstrahlung und halte hydrophiles Aerogel von Feuchtigkeit fern – Wasser zerstört die Struktur unwiederbringlich.
Warum ist Aerogel so teuer?
Die Herstellung braucht superkritische Trocknung: Das Lösungsmittel wird unter hohem Druck und bei erhöhter Temperatur in einen Zustand zwischen flüssig und gasförmig gebracht, damit beim Trocknen keine Oberflächenspannung die Poren zusammenzieht. Das dauert lange, ist energieintensiv und lässt sich nur begrenzt beschleunigen.
Warum kommen die Bruchstücke mit etwas Abrieb an?
Ein bisschen loses Material im Glas ist bei diesem Werkstoff normal und unvermeidbar. Wir verpacken jede Sendung sorgfältig, aber selbst leichte Erschütterungen auf dem Versandweg erzeugen feinen Abrieb. Auf die Stücke selbst hat das keinen Einfluss.
Fazit
Aerogel ist eines der wenigen Materialien, bei denen die Fakten spektakulärer sind als die Optik – und die Optik ist schon spektakulär. Zwischen einer Laborwette von 1931, Kometenstaub aus dem All und Plänen für einen bewohnbaren Mars liegt ein Material, das du für den Preis eines Restaurantbesuchs auf deinen Schreibtisch stellen kannst.
Neugierig geworden? Hier gibt es die Aerogel Bruchstücke im 30-ml-Glas – oder gleich alle drei Formen im Silica Aerogel Set.











